Tag 1

„Von Bank zu Bank“ – sechs Tage zu Fuß und per Rad unterwegs im nordöstlichen Bayern

1. Tag

Am Montag ging es los. Den ersten Tag wollte ich wandern: von Bad Alexandersbad über Wunsiedel und die Luisenburg rauf zum Gipfel der Kösseine, unserm Hausberg, um von dort dann weiter zum Fichtelbergsee zu laufen. Dort hatte ich meine erste Übernachtung gebucht. Dort wartete auch mein Fahrrad auf mich.

Ich hatte für diesen Tag viele Interviews geplant, unter anderem mit Willi Beck, dem Bürgermeister von Wunsiedel, und mit Christoph Kaldonek, dem Chefdramaturgen der Luisenburgfestspiele. Leider hatte keiner Zeit. Ich habe die Interviews deshalb vorher aufgenommen, und im Nachhinein bin ich auch ganz froh darüber, denn ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich am Abend noch bei Tageslicht an meinem Ziel angelangt wäre, wenn ich mein sehr dicht gepacktes Programm durchgezogen hätte. Ein Gespräch hatte ich allerdings, noch bevor ich losging, und das war mir auch sehr wichtig. Ich hatte mich um 8:00 Uhr mit unserem Alexandersbader Bürgermeister Peter Berek verabredet. Auch Pfarrer Beneker, der Leiter unseres Zentrums und unser Referent für politische Bildung, Herr Dr. Twisselman, waren dabei. Schließlich kam auch noch Herr Gewinner vom Nordbayerischen Kurier dazu. Wir trafen uns an den Schlossterrassen, die in den letzten Monaten erneuert wurden und kurz vor der Fertigstellung waren. Gegenüber blickten wir auf das das ebenfalls sich im Bau befindende neue Kurhaus. Kurz: Wir trafen uns mitten in einer Baustelle. Aber genau das hat mich von Anfang an bei Peter Berek beeindruckt. Er baut um! Er hat eine Vision! Er will aus dem kleinsten Bad Deutschlands nicht das größte machen, aber er will das, wofür Alexandersbad einmal stand, wieder groß machen. Hier sollen Menschen zu sich selbst kommen, entschleunigen, sich neu als Einheit von Leib und Seele entdecken. Dabei geht es nicht einfach nur um Wellness. Es geht um Gesundheit, und dem wollen die Behandlungen in Bad Alexandersbad nicht zuletzt durch Vorbeugung, durch Prophylaxe dienen: Ein spezielles Programm (IGM = Individuelles Gesundheitsmanagement) macht es möglich, dass man hier unter professioneller Hilfe einen Lebensstil einüben kann, der die natürlichen Widerstandskräfte stärkt und einen nicht so schnell krank werden lässt. Wo kann man sich das besser vorstellen als an diesem romantischen und etwas abseits gelegenen Bad, wo Betriebsamkeit und Hektik kaum spürbar sind. Das neue Bäderhaus, das wir im Anschluss besichtigten, ist nicht überdimensioniert, aber ästhetisch äußerst ansprechend gestaltet, mit Formen und Materialien aus der Region –, und hat doch alles, was man braucht, einschließlich eines kleinen Saunabereichs.

Nach dieser Begegnung bin ich die kleine Wegstrecke nach Wunsiedel gelaufen, habe einen kurzen Halt in der Kirche gemacht, wo gerade einige Gemeindemitglieder die Kirche für einen besonderen Gottesdienst am kommenden Brunnenfest vorbereiteten. Anschließend habe ich vor dem Rathaus das Interview mit Willi Beck noch einmal an mir vorbeziehen lassen, das ich vor einigen Tagen hier geführt hatte. Es klingt noch nach, nicht nur wegen seines engagierten Auftretens gegen Neonazis ... ( siehe Link zum Interview)

 

Von Wunsiedel bin ich zur Luisenburg weitergelaufen und wurde dabei etwas nass. Es sollte nicht das letzte Mal sein. Die Luisenburg mit ihrem beeindruckenden Felsengarten – es handelt sich übrigens nicht um eine Burg – ist berühmt, genauso berühmt oder noch berühmter sind die vor dieser Kulisse im Sommer stattfindenden Freiluftfestspiele. In diesem Sommer z.B. Cats und die Bluthochzeit, ein Tanztheater. Dass hier etwas anders ist, habe ich gleich gemerkt, als ich an der Straße entlang die Anhöhe hinaufgelaufen bin. Da fuhr so manches Auto an mir vorbei, in dem junge Menschen saßen, die absonderliche Töne von sich gaben. Intelligent wie ich bin, wurde mir sofort klar: Die singen sich anscheinend ein. Aber mehr dazu sag ich nicht, denn Christof Kaldonek, der Chefdramaturg der Luisenburgfestspiele, kann das viel besser ... ( siehe Link zum Interview)

 

Von der Luisenburg ging es nun stetig bergauf zum Gipfel der Kösseine, und jetzt begann er so richtig, der Regen. Am Anfang habe ich mich noch kurz untergestellt, bis es ein wenig weniger wurde. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das wenig Sinn macht, denn wenn man mal nass ist, dann ..., na gut …. Oben angekommen hat sich mir kein wunderbarer Ausblick geboten, vielmehr hatte ich das Gefühl, mich mitten in Wolken zu befinden. Es war windig, kühl, regnete in Bindfäden, die Kneipe hatte am Montag Ruhetag, sodass ich beschloss, schnell weiter zu gehen und auf mein ersehntes Gipfelerlebnis zu verzichten. Plötzlich tauchte ein junger Herr auf, der anscheinend irgendwie zu dem Betrieb dazugehörte. Er erklärte mir freundlich, wie es weiter ging, hat aber meine stille Herzenssehnsucht nach einem trockenen Platz nicht wirklich erkannt. Eigentlich sollte ich ja wissen, dass es die Franken manchmal etwas deutlicher hören müssen. So ging ich weiter, und kaum war ich am Fuß des Berges angekommen, kam die Sonne heraus, es wurde warm, und ich war relativ schnell wieder trocken oder sagen wir zumindest trockener -, bis der nächste Regenschauer kam.

 

Nun ging es weiter auf einem Waldweg Richtung Fichtelsee. Dier Weg war bezaubernd, weil ihm die Mischung von Nässe, Sonne und leicht aufsteigendem Dunst ein wildes, romantisches, fast mystisches Aussehen gab. So lief ich in gehobener Stimmung weiter, und nach einem letzten kräftigen Schauer kam ich gegen 17:00 Uhr in meinem Hotel am Fichtelsee an. Ein kleiner See, mitten im Wald, sozusagen am Fuße des Ochsenkopfs, einer der drei großen Berge des Fichtelgebirges. Das Zimmer war nett, das Essen deftig und lecker, nur eines brachte mich ab und zu aus dem Konzept: das sehr mühsame Schreiben meines Blogs. Ich hatte mir nämlich vorgenommen auf meinem neuen, extra für diesen Zweck erstandenen Tablet einen Blog zu schreiben, sozusagen das erste Mal in meinem Leben: Premiere! Die aparte Mischung von dem einen oder anderen technischen Problem und einer gewissen Ungeschicklichkeit in der Motorik meiner anscheinend zu dicken Finger brachte meine Laune kurzzeitig in den Keller. Doch schließlich wurde alles gut, und das letzte Weizen verlieh mir die nötige Bettschwere …

Weiter zu Tag 2

Interview mit Willi Beck:

Link zum Interview

Bürgermeister Willi Beck
Chefdramaturg Christof Kaldonek

Interview mit Christof Kaldonek:

Link zum Interview

Festspielgelände